Zur Geschichte des Altenburger Alpenvereins, 1907 - 2007

Am 23. Dezember 1907 erfolgte in Altenburg die Gründung einer Sektion des damals noch vereinten Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DÖAV). Damit wurden auch erstmals im Altenburger Land die Voraussetzungen geschaffen, die für eine bergsteigerische Entwicklung erforderlich sind. 100 Jahre später, am 06. Dezember 2007, konnte dieses Ereignis im Rahmen 100-Jahrfeier entsprechend gewürdigt werden. An der Jubiläumsfeier des Altenburger Alpenvereins nahmen auch zahlreiche Gäste teil, so u.a. der Präsident des Deutschen Alpenverein Prof. Dr. Röhle, der Oberbürgermeister des Stadt Altenburg Herr Michael Wolf, Vertreter der Partnersektionen aus Offenburg (Baden-Württemberg), Olten (vom Schweizer Alpenclub), von der Sektion Oberkochen (Besitzer der Rastkogelhütte), sowie der Sprecher des Ostdeutschen Sektionenverbandes des DAV.

Der Bergsport in Altenburg kann heute auf eine lange Tradition zurückblicken. Doch von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Bergsteigens war die Gründung des Altenburger Alpenvereins im Jahre 1907. Über dieses Ereignis gibt auszugsweise der nachfolgende Artikel von Oberlehrer Balduin Gärtner Auskunft, der dem gedruckten

„Jahresbericht der Sektion Sachsen-Altenburg des Deutschen und Österr. Alpenvereins für 1908"
entnommen wurde:

„Der Gedanke, in Altenburg eine Sektion des D. und Ö. Alpenvereins zu gründen, hatte schon manchem Alpenfreund das Herz bewegt; doch war es bislang nicht gelungen, ihn in die Tat umzusetzen. Da gaben sich im Jahre 1907 nach einer Weißkugelbesteigung, die sie mit den Herren Dr. Habel in Breslau und Assessor Kieser in Freiburg i. Br. glücklich durchgeführt hatten, zwei Altenburger Alpinisten - nämlich der Seminarlehrer Guido Etzold und der Unterzeichnete - das Versprechen, nicht eher zu ruhen, bis in Altenburg die Gründung einer Sektion vollzogen sei. Nach Altenburg zurückgekehrt, gewannen sie eine Anzahl Alpenfreunde für den Plan und machten durch die Tagespresse weitere Kreise darauf aufmerksam. Trotzdem traten Bedenken gegen die Sektionsgründung auf, die hauptsächlich dahin gingen, daß es wohl besser sei, einer großen Sektion, wie z. B. der Leipziger, die ihre Arme auch über das Herzogtum Sachsen-Altenburg ausstreckt, anzugehören, als eine neue ins Leben zu rufen, die nie von Bedeutung sein werde. Der Ausdauer einiger Getreuen gelang es, diese Bedenken zu zerstreuen oder doch in den Hintergrund zu stellen, und so schrieb man, nachdem auch benachbarte Sektionen ermutigend eingegriffen hatten, für den 11. November 1907 eine Zusammenkunft von Alpenfreunden in Gündels Weinstuben aus, zwecks Gründung einer Altenburger Sektion. So erschienen zu dieser Versammlung 17 Herren. ... Nachdem die Vorarbeiten weit genug gediehen waren, berief man auf den 23. Dezember 1907 eine zweite Versammlung ein und schritt an diesem Abende zur Gründung der Sektion, die den Namen Sachsen-Altenburg erhielt, weil man erwartete, daß die meisten Mitglieder wohl aus unserem Herzogtume kommen würden, wenn auch die Aufnahme von Mitgliedern nicht auf das altenburgische Staatsgebiet zu beschränken sei. ...

An der Gründung beteiligten sich 30 Alpenfreunde. Rasch wuchs der Mitgliederbestand, und als das erste Geschäftsjahr zu Ende ging, waren der Sektion 126 Mitglieder beigetreten. ..."

Als Hauptinitiatoren dieser Vereinsgründung müssen insbesondere die beiden Lehrer Balduin Gärtner und Guido Etzold genannt werden, die sich damals am stärksten für eine Alpenvereinssektion in Altenburg engagierten.

In den Folgejahren entwickelte sich innerhalb der Sektion ein viele Bereiche abdeckendes Vereinsleben. Zu den Aktivitäten gehörten bergsportliche Unternehmungen im Alpenraum, Hochgebirgswanderungen, Wanderungen in der näheren und weiteren Umgebung von Altenburg, Ausflüge der Skiabteilung, eine umfangreiche Vortragstätigkeit, die Anlegung eines alpinen Steingartens (Alpinum) am westlichen Eingang in den Herzog-Ernst-Wald, Kontakte zu Nachbarsektionen, die Unterhaltung einer sektionseigenen Bibliothek mit fast ausschließlich alpiner Literatur sowie gesellige Zusammenkünfte. Zum Höhepunkt der Vereinstätigkeit kam es zweifelsohne im Jahre 1930, als man gemeinsam mit der Sektion Werdau des DÖAV die 2.124 Meter hoch gelegene „Rastkogelhütte" in den Tuxer Alpen in Tirol erbaute.

Politische Angelegenheiten durften jedoch, wie in der damaligen Vereinssatzung festgeschrieben, innerhalb der Sektion nicht erörtert oder verfolgt werden. Dabei handelte es sich um einen rein bürgerlichen Verein, dem ausschließlich Mitglieder aus Kreisen der Intelligenz sowie des gehobenen Mittelstandes und der Oberschicht angehörten. Ab einer bestimmten Stellung innerhalb der Gesellschaft war es fast Pflicht, auch Mitglied im Alpenverein zu sein. Jedes Neumitglied mußte deshalb entsprechende Bürgen vorweisen, um im Verein aufgenommen zu werden. Betrachtet man die Mitgliederlisten der Sektion „Sachsen-Altenburg" aus jener Zeit, so stehen dort vor allem Lehrer, leitende Beamte, Fabrikanten, Diplom-Volkswirte und eine große Anzahl Geschäftsinhaber (Kaufleute). Die gute Sektionsarbeit des Altenburger Alpenvereins bewirkte aber auch einen ständigen Zulauf an neuen Mitgliedern. Im Jahre 1925 erreichte die Sektion „Sachsen-Altenburg" mit 409 eingetragenen Mitgliedern ihren Höchststand, womit sie sogar zur damals zahlenmäßig stärksten Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins in ganz Thüringen aufstieg.

Neben seinem Hauptanliegen, alpine Sportarten zu fördern sowie Bergfahrten in die Alpen zu unterstützen und zu ermöglichen, wirkte der Verein ebenso für das Kennenlernen der Altenburger Heimat und entsprach somit einem großen Interessentenkreis.

Was den Berg- und Klettersport betraf, so konnte der Verein im Laufe der Jahre auf eine große Anzahl hervorragender Bergsteigerinnen und Bergsteiger verweisen, die in fast allen Gebieten der Alpen tätig waren. Besondere Erwähnung verdienen hierbei (in zeitlicher Reihenfolge) Chemiker Curt Proeßdorf, Regierungsrat Otto Gerhardt, Diplom-Kaufmann Oscar Piering, Seminarlehrer Guido Etzold, Lehrer Balduin Gärtner, Lyzeallehrer Johannes Gottschling, Musiklehrerin Frl. Helene Bläßig, Dr. med. Carl Francke, Justizamtmann Johannes Oertel, Amtsrichter Ernst Lindner, Studienrat Dr. Robert Dölle, Staatsrat Karl Mehnert, Frl. Charlotte Schubert, Lehrer Fritz Pfeifer, Frau Erna Dölle, Lehrer Georg Plietzsch, Frau Else Pfeifer, Lehrer Ernst Nitzsche aus Treben, Lehrerin Frl. Elisabeth Jasper, Frl. Johanna Hohl, Dentistin Frl. Marianne Winkler, Frau Else Hasse, Syndikus Dr. Hans Schramm aus Schmölln und Berginspektor Paul Dietze aus Meuselwitz. Sie alle können mit Recht als die jeweils besten und aktivsten Altenburger Bergsteiger der damaligen Zeit bezeichnet werden. Ihnen gelangen Gipfelbesteigungen solch namhafter Berge der Alpen wie Finsteraarhorn (4.273 m) und Jungfrau (4.158 m) in den Berner Alpen, Ortler (3.905 m) im Ortlergebiet, Großglockner (3.798 m) in den Hohen Tauern, Breithorn (4.164 m) in den Walliser Alpen, Piz Buin (3.312 m) im Engadin, Piz Linard (3.411 m) in der Silvretta oder das technisch schwierige Totenkirchl (2.193 m) im Kaisergebirge, um nur einige zu nennen.

Doch ebenso standen Altenburger Bergsteiger auf dem berühmten Matterhorn (4.478 m) in den Walliser Alpen, das bereits 1925 durch die beiden Trebener Lehrer Ernst Nitzsche und Fritz Etzold, sowie 1929 durch Staatsrat Karl Mehnert aus Altenburg bestiegen wurde. Daß diese Aufstiege jeweils in Begleitung von Bergführern erfolgten, mindert die vollbrachte Leistung keinesfalls.

Eine im Jahre 1930 durchgeführte Besteigung des 4.275 Meter hohen Finsteraarhorn in den Berner Alpen durch Frl. Johanna Hohl bedeutete gleichzeitig Höhenrekord unter den Altenburger Alpinistinnen, der zudem bis 1988 Bestand hatte.

Als herausragende alpinistische Leistung dürfte ebenfalls die Besteigung des Popocatepetl (5.452 m) und des Iztaccihuatl (5.286 m) gelten, die Ingenieur Zabel während seines Aufenthaltes in Mexiko im Jahre 1926 durchführen konnte.

Für uns aus heutiger Sicht interessant ist weiterhin die Tatsache, daß durch Altenburger Bergsteiger (unter ihnen Studienrat Dr. Robert Dölle, Staatsrat Karl Mehnert, Syndikus Dr. Hans Schramm und Dentistin Frl. Marianne Winkler) auch die „Hohe Tatra" aufgesucht wurde. Die dabei unternommenen Bergtouren führten u.a. zur Koncista (2.535 m), zur Meeraugspitze (2.424 m), zum Karfunkelturm/ Jastrabia veza (2.139 m), zur Eistalerspitze/ Ladovy stit (2.628 m) und ebenso zur Gerlsdorfer Spitze (2.663 m).

Nicht in Vergessenheit geraten sollte auch eine Gipfelbesteigung des Großglockner (3.798 m) im Jahre 1855 durch den Hauslehrer und Pfarrer H. Findeisen aus Göllnitz bei Altenburg. Begleitet wurde er damals von 2 Führern und einem Knecht aus Heiligenblut. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um die älteste nachweisbare Besteigung eines Alpengipfels durch einen Bürger des Altenburger Landes. H. Findeisen war zudem einer von nur fünf Bergsteigern, die zwischen 1847 und 1864 den Gipfel des Großglockner in den Hohen Tauern erreichten.

Nach 1933 wurden die Auswirkungen der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP in allen Bereichen der Gesellschaft immer deutlicher spürbar und blieben auch für den Alpenverein nicht ohne Folgen. Erklärtes Ziel der Reichssportführung war es, die Eigenständigkeit der Vereine aufzuheben und der staatlichen Kontrolle zu unterstellen. Als Instrumentarium hierfür diente u.a. das „Gesetz zur Gleichschaltung", was auch die nationalsozialistische Ausrichtung aller Institutionen und Vereinigungen zum Ziel hatte.

Im Jahre 1936 kam es schließlich zur Eingliederung sämtlicher Alpenvereinszweige in den „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen", der damaligen Dachorganisation aller deutschen Sportverbände. Die ursprüngliche Eigenständigkeit und Neutralität des Alpenvereins hatte man damit vollständig beseitigt. Von nun an unterstand der DÖAV direkt dem Reichssportführer. Eine völlige Neugestaltung der Organisationsform war die Folge. So unbefriedigend dieser Zustand auch war; der Alpenverein besaß kaum Handlungsspielraum, sich der neuen Situation zu widersetzen. Er konnte nur wählen zwischen Verbot und Auflösung oder Anpassung.

Der Einfluß der damaligen Staatsmacht innerhalb des Alpenvereins war in der Folgezeit kaum noch zu übersehen und wurde immer größer. Auch wer jetzt Mitglied werden wollte, mußte völlig neuen Bewertungskriterien entsprechen. Über angeordnete Neuregelungen im Alpenverein, auch in Bezug auf die Mitgliedschaft, wurde zur Außerordentlichen Hauptversammlung des DÖAV-Zweiges „Sachsen-Altenburg" am 7. Juli 1936 u.a. folgendes bekannt gegeben:

„Danach müssen die Mitglieder des Vereins die Voraussetzungen erfüllen, die für den Erwerb des Reichsbürgerrechts durch einen deutschen Staatsangehörigen reichsgesetzlich bestimmt sind, was im Aufnahmegesuch nachzuweisen ist. Der Vereinsführer wird in der ordentlichen Generalversammlung auf die Dauer von 3 Jahren gewählt und bedarf der Bestätigung durch den Reichssportführer, von dem er jederzeit abberufen werden kann. ..."

Das Ziel der Reichssportführung, staatliche Kontrolle und Gewalt über die Vereine ausüben zu können, hatte man hiermit erreicht. Die politischen Verhältnisse im damaligen Deutschland machten es aber erst möglich.

Unmittelbar nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 kam es in Übereinstimmung mit den neu entstandenen politischen Verhältnissen zur Umbenennung des bisherigen DÖAV. Die Begründung fiel denkbar einfach aus und lautete: „Nachdem nunmehr ... aus den Staaten ein einiges Deutsches Reich geworden ist, sind wir der Deutsche Alpenverein." Der einheitlichen Namensänderung mußten sich auch die einzelnen Alpenvereinssektionen anschließen. In Altenburg nannte man sich daraufhin: „DAV - Deutscher Bergsteigerverband im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen - Zweig Altenburg in Thüringen". Der bisherige Vereinsname „Sachsen-Altenburg" hatte seine Gültigkeit verloren.

Die endgültige Umwandlung des Alpenvereins und der angeschlossenen Sektionen nach NS-Vorgaben wurde Ende 1938, zur Hauptversammlung im Großdeutschen Reich in Friedrichshafen, vollzogen. Hierbei verlor die gesamte bisherige Vereinsführung ihre Ämter. Der Reichssportführer persönlich bestellte die neue Alpenvereinsleitung und ernannte den DAV „ ... als den für Bergsteigen zuständigen Fachverband im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen". Auch wurden die Aufgaben des DAV mit den Erfordernissen der regierenden Partei in Einklang gebracht. Dies verwundert nicht, denn im Dritten Reich gab es ohnehin keine offiziell zugelassenen Organisationen mehr, die nicht auch äußerlich nationalsozialistisch ausgerichtet waren. Der Anlaß, welcher einst zur Bildung des Alpenvereins in Deutschland führte, hatte nur noch untergeordnete Bedeutung. An dessen Stelle trat vordergründig eine „ ... zentrale politische Zielsetzung des planmäßigen und verantwortlichen Einsatzes des Bergsteigens als eines hervorragenden Mittels der weltanschaulich-politischen Erziehung". Nur allzu vertraut erscheinen uns derartige Äußerungen angesichts unserer jüngsten Vergangenheit.

Die bergsportlichen Motive der einzelnen Mitglieder blieben jedoch die gleichen und waren für viele ausschlaggebend, dem DAV anzugehören. Auch weiterhin galt den Alpen mit seinen vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten das Hauptinteresse fast aller Berg- und Naturfreunde.

Mit dem Zusammenbruch des faschistischen Deutschlands im Mai 1945 und der zwangsweisen Auflösung des Deutschen Alpenvereins unmittelbar nach Kriegsende endete vorerst auch in Altenburg eine 38 Jahre andauernde, bergsportlich sehr aktive Zeitepoche. Nach dem Abzug der US-amerikanischen Einheiten und dem Einmarsch der Roten Armee in Altenburg wurde jegliche Vereinstätigkeit durch die damalige sowjetische Militäradministration verboten, sowie Enteignung und Auflösung des Alpenvereins angeordnet. Das gesamte Vermögen des Zweiges Altenburg hatte man daraufhin beschlagnahmt. Ein Großteil der Unterlagen und das Inventar, darunter die alpine Bücherei, verschwanden durch Plünderung des Vereinslokals, das sich zuletzt im ehemaligen „Haus der Landwirte" befand.

Zwei der aktivsten und wohl besten Altenburger Bergsteiger, Mitglieder des ehemaligen Alpenvereins, gerieten nach 1945 in direkte Konfrontation mit der neuen politischen Führung. Während Syndikus Dr. Hans Schramm durch sowjetische Soldaten verhaftet wurde und auf dem Gelände des Nobitzer Flughafens schon wenige Tage später an den Folgen schlechtester Haftbedingungen starb, fand Lehrer Fritz Pfeifer im reaktivierten Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar in den 50er Jahren den Tod. Genaueres über das Schicksal dieser beiden Bergsteiger wurde nie bekannt. Gemeinsam mit vielen unschuldigen Menschen, die man damals grundlos internierte, wurden sie Opfer des Stalinismus.

Dennoch engagierten sich mehrere ehemalige Mitglieder verschiedener DAV-Sektionen bis etwa Mitte 1948 für eine erneute Zulassung des Alpenvereins in Thüringen und Sachsen. Auch Oberlehrer Balduin Gärtner aus Altenburg hatte sich trotz seines hohen Alters daran beteiligt. Doch alle diese Bemühungen um eine offizielle Anerkennung des Alpenvereins auf dem Territorium der damaligen sowjetischen Besatzungszone blieben am Ende erfolglos. So beantragte der Rat der Stadt Altenburg am 28. Dezember 1948 beim Amtsgericht (Registergericht) die Streichung des „Deutschen Alpenvereins - Zweig Altenburg" aus dem Vereinsregister, die schließlich laut Eintragung am 04. Januar 1949 vollzogen wurde.

Mit dem Verbot des Alpenvereins kam zunächst auch in Altenburg jegliche bergsteigerische Tätigkeit für einige Jahre zum Erliegen. Die Bemühungen vieler ehemaliger DAV-Sektionen Thüringens für eine erneute Zulassung dauerten bis zum Jahr 1948 und blieben dennoch erfolglos.

Erst der nachrückenden Generation war es vorbehalten, den Bergsport (jedoch unter anderen Voraussetzungen und Bedingungen) neu aufleben zu lassen. Besondere Erwähnung verdienen an dieser Stelle die beiden Bergfreunde Heinz Loehr und Fritz Bauch. Ihnen ist es zu verdanken, daß sich der Bergsport nach dem 2. Weltkrieg auch in Altenburg wieder entwickeln konnte. Bis weit in die siebziger Jahre waren sie für die organisatorischen und klettertechnischen Belange des Bergsteigens in unserer Stadt verantwortlich. Unter ihrer Anleitung entstand auch eine Klettergemeinschaft, die sich damals in die 1952 gegründete „Sektion Touristik" der DDR einbrachte.

Doch angefangen hatte alles in den „Paditzer Schanzen" bei Altenburg, wo man sich die Grundlagen des Bergsteigens an den dortigen Felswänden zunächst selbst aneignete. Im Juli 1951 erfolgte dann die erste Kletterfahrt der beiden Bergfreunde Fritz Bauch und Heinz Loehr in die „Sächsische Schweiz". Anders als die Bergsteiger des früheren Alpenvereins, wurde man vor allem in diesem nicht so weit entfernten Mittelgebirge tätig, das jedoch ideale Bedingungen für das Felsklettern bietet. Auch fanden sich jetzt (ab ca. 1951/52) weitere Sportfreunde ein, die für das Bergsteigen begeistert werden konnten. Zu nennen sind insbesondere Ulrich Kertscher, Heinz Kämpfe, Dieter Gabler, Siegfried Trautsch und Heinrich Arnold aus Altenburg, sowie Hans Graichen aus Paditz.

1954 entstand bei der BSG Lokomotive die Sektion „Bergsteigen und Wintersport", wo zunächst sämtliche Altenburger Bergsteiger organisiert waren. Optimale Trainingsbedingungen bewirkten einen spürbaren Leistungsanstieg, und weitere Sportfreunde konnten im Laufe der Jahre zu hervorragenden Bergsteigern ausgebildet werden. Hier nur einige Namen: Karl Hartmann, Helmut Pfefferkorn, Klaus Kertscher, Adolf Ohnesorge, Peter Beyer und Peter Winter. Auch bestand mit der Sektion Touristik der BSG Aktivist Zipsendorf ein freundschaftliches Verhältnis. Mit der dortigen Bergsteigergruppe unter Hans Hille und Albrecht Kloß wurden viele gemeinsame Kletterfahrten ins Elbsandsteingebirge unternommen.

Die Altenburger Sportkletterer meisterten bald Aufstiegsrouten im VII. Schwierigkeitsgrad, dem damals höchsten im sächsischen Fels. Lokomotive, Mönch, Schrammtorwächter, Barbarine, Brosinnadel, Falkenstein, Rohnspitze und weitere bekannte Gipfel der „Sächsischen Schweiz" wurden durch sie bestiegen. Mit der 116. Begehung der Talseite am Teufelsturm im Schmilkaer Klettergebiet durch die Seilschaft Heinz Urban aus Leipzig und Fritz Bauch aus Altenburg gelang bereits im August 1955 die Bewältigung des VIII. Schwierigkeitsgrades nach heutiger Einstufung, denn damals endete die sächsische Skala noch beim VII. Grad ohne weitere Unterteilung. Damit war Fritz Bauch der erste Altenburger, der diesen Schwierigkeitsgrad kletterte. Auch gelang der Seilschaft die Besteigung des Hauptdrilling über den Dietrichweg

(ebenfalls VIII a).

Doch ebenso stellten Altenburger Bergsteiger ihr gewachsenes Können im Hochgebirge unter Beweis. Neben verschiedenen Alpengipfeln Österreichs (Birkkarspitze, Großglockner etc.) durchstiegen die beiden Bergfreunde Klaus Kertscher und Fritz Bauch im Sommer 1957 die über 2.000 Meter Wandhöhe aufweisende Watzmann-Ostwand. Eine Durchsteigung dieser Wand galt damals als herausragende sportliche Leistung und war nur sehr guten Bergsteigern vorbehalten.

Daß die Kletterei an den Felsen der Sächsischen Schweiz einer der besten Lehrmeister auch für Hochgebirgsunternehmungen ist, konnte man im Sommer 1960 in der polnischen Tatra erneut bestätigen. Die beiden Seilschaften Adolf Ohnesorge/ Peter Beyer und Klaus Kertscher/ Fritz Bauch bewältigten mit der Südwestkante am Mönch als erste Altenburger überhaupt eine Route im VI. alpinen Schwierigkeitsgrad.

Doch mit dem im Jahre 1961 erfolgten Mauerbau an der innerdeutschen Grenze und der damit verbundenen Einschränkung im Reiseverkehr für DDR-Bürger waren wenig später alle Hoffnungen zerstört, zukünftig auch in den Alpen bergsportlich aktiv zu werden. Das totale Reiseverbot in alle nichtsozialistischen Länder brachte es mit sich, daß das Sportklettern in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz auch für die Altenburger Bergsteiger immer größere Bedeutung erlangte.

Da ein eigenständiger Bergsteigerverein innerhalb der DDR zuviel Freizügigkeit bedeutet hätte, kam es bereits im Juni 1958 zur Gründung des Deutschen Wanderer- und Bergsteigerverbandes (DWBV). Dieser trat offiziell die Nachfolge der „Sektion Touristik" an und wurde als Fachverband dem Deutschen Turn- und Sportbund der DDR (DTSB) unterstellt. Von einer Gleichberechtigung neben anderen Sportverbänden innerhalb des DTSB konnte jedoch keine Rede sein. Schließlich hatte man den DWBV im Jahre 1970 erweitert und in Deutscher Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO) umbenannt.

Was im Sport der ehemaligen DDR zu geschehen hatte, bestimmte einzig und allein das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport, das im Ministerrat der DDR angesiedelt war. Von hier kam auch der Beschluß, den Bergsport als nicht förderungswürdig einzustufen. Gleichzeitig hatte man den zuständigen Fachverband angehalten, die freie Ausübung des alpinen Bergsteigens in vergletscherten Hochgebirgen zu unterbinden. Im Klartext bedeutete das nichts anderes als ein Kletterverbot für Bergsteiger der DDR nicht nur in den Alpen, sondern auch in den Hochgebirgen Zentralasiens einschließlich der Sowjetunion. Um dieses Ziel durchzusetzen, wurde nichts unversucht gelassen. Noch im November 1989 hatte der DWBO alle diejenigen öffentlich verurteilt, die sich nicht an dieses Verbot hielten. Die negativen Auswirkungen für die Entwicklung des Bergsteigens in der DDR durch die staatlich angeordnete Isolation wurde immer offensichtlicher. So war man ständig gezwungen, Freiräume ausfindig zu machen, um seine bergsportlichen Ziele verwirklichen zu können. Einzig die „Hohe Tatra" stand den DDR-Alpinisten als Betätigungsfeld noch zur Verfügung.

Doch trotz der hier genannten Maßnahmen wurden die Altenburger Bergsteigersektionen, diese waren zuletzt den Betriebssportgemeinschaften von Rotation, Aufbau und Lokomotive angeschlossen, gerade in alpinen Bereichen äußerst aktiv. Ab 1976 fanden regelmäßig Bergfahrten im Sommer und Winter in die „Hohe Tatra" statt und dienten vielfach zur Vorbereitung noch größerer Unternehmungen. Hier ist vor allem der Bergfreund Gerhard Haag zu nennen, der speziell den alpinen Bergsport in Altenburg vorangetrieben hatte. Ungeachtet von Ausrüstungsproblemen und Einreiseschwierigkeiten organisierten Bergsteiger aus Altenburg ab 1983 Expeditionen zu den vergletscherten Hochgebirgen der Sowjetunion; in das Fan-Gebirge, in den Kaukasus und in den Pamir. Die bisher erfolgreichsten und bedeutendsten Unternehmungen in der Altenburger Bergsteigergeschichte (bis zur Auflösung des DWBO der DDR im Jahre 1990) führten in den Zentralpamir Tadshikistans. Im Juli 1985 bestiegen dort die Bergfreunde Gerhard Haag, Karl-Heinz Süptitz und Günter Arndt den 6.083 m hohen „Pik Arnawad" in der südlich des Obichingou liegenden Darwas-Kette. Und drei Jahre später, am 7. August 1988, erreichten Dr. Elisabeth Stempel, Rainer Bauch und Edgar Nönnig, zusammen mit zwei weiteren Bergsteigern aus Leipzig und Königshain/ Mittweida, den Gipfel des 6.330 m hohen „Pik Radianow" in der östlichen Peter-I.-Kette. Bei dieser Besteigung handelte es sich um die zweite nachweisbare Besteigung des „Pik Radianow" überhaupt und gleichzeitig um eine Erstbegehung der Nordroute (Nordweg) vom oberen Schini-Bini-Gletscher aus.

Solche mühsamen und unter hohem persönlichen Einsatz abgerungenen Expeditionen erforderten insbesondere zur damaligen Zeit langfristige und aufreibende Vorbereitungen. Sie waren aber auch in der Art ihres Zustandekommens bezeichnend für die Situation des Bergsports in der einstigen DDR.

Mit der Einheit Deutschlands hat sich auch für die Bergsteiger der ehemaligen DDR eine neue Situation ergeben. Der DWBO löste sich auf und in vielen Städten Ostdeutschlands entstanden daraufhin Sektionen des Alpenvereins. Ähnlich verhielt es sich in Altenburg. Auf einer Mitgliederversammlung der ehemaligen DWBO-Sektionen von Rotation, Lokomotive und Aufbau Altenburg am 18. Juni 1990 mußte man sich darauf verständigen, wie die Entwicklung des Bergsports in unserer Stadt auch zukünftig gesichert werden kann. Man besann sich auf alte Traditionen, und so wurde die Sektion Altenburg e.V. des Deutschen Alpenvereins wiedergegründet. Damit gehörten die Zeiten, in denen auch in unserem Sport Einschränkung, Bevormundung und Isolation dominierten, endgültig der Vergangenheit an. Die offizielle Aufnahme durch den Hauptausschuß des DAV mit Sitz in München erfolgte am 7. Oktober des gleichen Jahres. Damit wurde die Sektion Altenburg erneut Mitglied des bereits 1869 gegründeten Deutschen Alpenvereins und trat die unmittelbare Nachfolge der nach Kriegsende zwangsweise aufgelösten Altenburger Alpenvereinssektion an. Gründungsdatum der Sektion ist somit auch weiterhin der 23. Dezember 1907, denn der Deutsche Alpenverein hatte auf seiner Jahreshauptversammlung 1991 in Heilbronn beschlossen, das frühere Gründungsdatum aller wiedergegründeten ostdeutschen DAV-Sektionen anzuerkennen.

Dass es innerhalb so kurzer Zeit zur Wiedergründung des Alpenvereins in Altenburg kam, ist vor allem dem Engagement des Bergfreundes Hans-Jochen Jahn zu verdanken. Er hatte die wichtigsten vorbereitenden Aufgaben übernommen und ebenso die Verhandlungen mit dem Hauptverein in München geführt. Er war bis 2002 1. Vorsitzender der DAV-Sektion Altenburg. Seit 2002 leitet der Bergfreund Karlheinz Klement die Geschäfte als 1. Vorsitzender der inzwischen über 270 Mitglieder zählenden DAV Sektion Altenburg.

Auch in bergsportlicher Hinsicht hatte sich in den letzten Jahren einiges verändert. Neue Herausforderungen in den Alpen und in den „Bergen der Welt", die bisher aus politischen Gründen unerreichbar waren, existierten plötzlich im Überfluß. In der Folgezeit waren wieder in fast allen Gebieten der Alpen Altenburger Bergsteiger anzutreffen. Großglockner, Ortler, Zuckerhütl, Dom, die Sellatürme, Wildspitze, Marmolada, Dufourspitze, Piz Bernina, Piz Buin, Weißmies, Allalinhorn und weitere bekannte Alpengipfel konnten in den vergangenen sieben Jahren, teilweise sogar mehrfach, bestiegen werden.

Erstmals standen auch Altenburger Bergsteiger auf dem 4.807 Meter hohen Mont Blanc, dem höchsten Gipfel der Alpen. Bestiegen wurde er am 4. Juli 1993 durch die Seilschaft Karlheinz Klement, Dirk Hoffmann und Rainer Bauch. Im darauffolgenden Jahr erreichte auch Edgar Nönnig, zusammen mit einem Bergfreund aus Eichwalde, den Gipfel. Für uns relativ neu sind sogenannte Skihochtouren. Dabei handelt es sich um Winterbesteigungen hoher Alpengipfel mit speziellen Tourenski. Auch hiermit konnten bereits Gipfel von über 4.000 Meter Höhe im Winter durch einige Mitglieder der Sektion (Karlheinz Klement, Rainer Bauch und Dirk Hoffmann) erreicht werden. Leider gibt es gerade in dieser Bergsportdisziplin noch keinen Nachwuchs in Altenburg.

Außerhalb Europas gelang im Mai 1994 dem Autor dieses Berichtes die Besteigung des höchsten Berges Nordamerikas, des 6.194 Meter hohen Mt. McKinley in Alaska. Hierbei handelte es sich um eine aus nur zwei Teilnehmern bestehende, selbständig organisierte und durchgeführte Kleinexpedition. Und 1995 erreichte Ulrich Rothe, während einer Trekkingtour, den 5.604 Meter hohen Gipfel der Demavand in Iran.

Das am meisten besuchte Klettergebiet der Altenburger Bergsteiger ist jedoch weiterhin die recht gut erreichbare Sächsische- und Böhmische Schweiz mit ihren unzähligen Felstürmen. An fast jedem Wochenende, vom Frühjahr bis in den späten Herbst, treffen sich dort Altenburger Bergsteiger zu Klettertouren im Sandsteinfels. Trotz vieler interessanter Bergziele in den Alpen wird sich daran auch in Zukunft kaum etwas ändern. In den Reihen des Altenburger Alpenvereins findet man aber ebenso Wanderer, Skifahrer und Hochgebirgstouristen aller Altersgruppen. Das Betätigungsfeld ist also weit gefächert. Doch mit dem Beitritt des DAV zum Deutschen Sportbund behauptete der Alpenverein auch eindeutig seine Fachkompetenz in allen Bergsportdisziplinen.

Wer sich über den Alpenverein informieren oder gar anschließen möchte, erhält in der Geschäftsstelle nähere Auskunft.

Die Anschrift der Geschäftsstelle lautet:

Geschäftsstelle des Deutschen Alpenverein Sektion Altenburg
Karlheinz Klement,
Untermolbitzer Straße 17
04617 Rositz/OT Molbitz
Tel. 03447 375578

Rainer Bauch
Wehr/Altenburg, im Oktober 1997

Artikel ergänzt im Januar 2008
Karlheinz Klement
1.Vorsitzender